Julias Atelier

So entstehen meine Bücher.

 

Es ist oft ein langer Weg, bis ein Buch fertig ist. Von der allerersten Idee, die ich mir in meinem Notizbuch notiere, bis zum Druck vergehen manchmal Monate oder sogar Jahre.

Manche Ideen brauchen viel Zeit, um „reif“ zu werden, andere Geschichten entstehen in einem Schwung.

Ich schreibe alle Ideen auf, manchmal skizziere ich auch die Hauptfiguren oder Settings. So ist mit der Zeit ein großes Archiv entstanden, dass ich regelmäßig durchsuche, wenn ich mit dem Konzept für ein neues Buch beginne. Die Ideen werden oft noch geändert oder angepasst, manchmal füge ich zwei Grundideen zu einer neuen Geschichte zusammen oder ändere die Hauptfiguren. Ich schreibe eine Rohversion. In diesem Stadium bespreche ich das Geschichtenkonzept im Verlag, aber auch mit Freunden, oder ich erzähle sie probeweise Kindern.

Wenn die Geschichte tragfähig ist, schreibe ich oft viele Versionen, die immer wieder gekürzt oder aus einer anderen Perspektive erzählt werden. Erzähltes wird in Dialog verwandelt, wenn die Geschichte nicht lebhaft genug ist oder Dialog wird zu einer (meist viel kürzeren) Erzählzeile …

Für Bilderbücher verteile ich nun den Text auf die Seiten. Wenn ein anderer Illustrator oder eine Illustratorin beauftragt wurde, die Bilder zu illustrieren, ist der Job für mich nun beendet. Ich finde es immer sehr spannend, wie andere Menschen meine Ideen in Bilder umsetzen. Oft bin ich überrascht, wie sie meinen Text interpretiert haben.

Manchmal male ich die Bilder selbst. Auch das ist sehr schön, denn meist habe ich genaue Vorstellungen von meinen Figuren im Kopf.

Ich entwickele die Hauptfiguren mit Bleistift und Fineliner auf einem Skizzenblock.  Meine Figuren sind meist Tiere. Fürs Bilderbuch sind sie natürlich keine realistischen Tiere, sondern sie repräsentieren Charaktere. Trotzdem setze ich mich mit den realen Tieren auseinander, indem ich mir Fotos und Filme ansehe oder im Zoo einige Skizzen anfertige. Das hilft mir, später das Typische an den Figuren herauszuarbeiten, auch wenn sie mit dem biologischen Tier nicht viel gemeinsam haben.

Für einige Projekte habe ich auch Knetfiguren angefertigt, um die Charaktere lebendig werden zu lassen. Unten seht ihr ein Bild von Lino Löwe in einer frühen Version. Später entwickelte sich daraus die Geschichte „Beste Freunde durch dick und dünn“ Im fertigen Buch ist Lino dann gezeichnet und mit Aquarell coloriert. Die Knetfigur hat mir geholfen, mir eine erste Vorstellung von dem ängstlichen, etwas trotteligen aber total liebenswerten Löwen zu machen.

Als Nächstes mache ich kleine Skizzen von den Szenen, die ich mir vorstelle. Auch hier gibt es oft mehrere Versionen, ich probiere verschiedene Kompositionen und Lichtführungen aus. Manchmal mache ich Fotos, um Gebäude, Innenräume, Bäume oder Lichtstimmungen glaubwürdiger malen zu können.

Anschließend wird die Skizze aufs Endmaß vergrößert und farbig angelegt. Das kann mit verschiedenen Techniken passieren. Sehr gerne benutze ich Aquarellfarbe. Aber auch Buntstifte, Kreiden und Acryl – oder Gouachefarben kommen zum Einsatz – oft mische ich Techniken. Und last, but not least werden die Bilder inzwischen oft am Computer bearbeitet. Dazu nutze ich ein großes Grafiktablett.

Wenn alles fertig ist, schicke ich die Daten an den Verlag.  Hier wird das Layout endgültig zusammengefügt, der korrigierte Text wird eingespiegelt und die Daten werden zur Druckerei geschickt. Nach einer letzten Korrektur kann gedruckt werden!

Einige Wochen später kommen dann die fertigen Bücher bei mir an. Ich freue mich jedes Mal riesig, wenn ich meine Autorenexemplare bekomme!

Das ist nach all den Jahren immer noch ein ganz besonderer Moment.